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Max Eyth: Vom einfachen Schlosser zum genialen Ingenieur, Schriftsteller und Zeichner

Heute, am 25. August 2006 jährt sich zum hundertsten Mal der Todestag von Max Eyth, dem Gründer der DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft). Max Eyth wurde am 6. Mai 1836 in Kirchheim unter Teck geboren. Nach Schulbesuch und dem Studium an der polytechnischen Schule in Stuttgart absolvierte er eine Schlosserlehre in der Maschinenfabrik Hahn & Göbel in Heilbronn. Als Schlosser arbeitete er anschließend bei der Maschinenfabrik Gotthilf Kuhn in Stuttgart-Berg, wo sein Aufstieg vom einfachen Schlosser über den Technischen Zeichner bis hin zum Ingenieur begann. Nach längerer Arbeitssuche in den damaligen Industriezentren an Rhein, Ruhr und Maas wanderte Eyth 1861 nach England aus, wo er in der Maschinenfabrik John Fowler den Umgang mit Dampfpflügen erlernte. Bei Fowler, dem führenden Dampfpflughersteller des 19. Jahrhunderts, leitete er als Ingenieur grundlegende Verbesserungen dieser Technik ein. Im Auftrag seiner Firma reiste er in verschiedene Länder (Ägypten, Nordamerika, Peru, Russland), um den Dampfpflug einzuführen. Sein beruflicher Aufstieg gipfelte als „wissenschaftlicher Generalstabschef der Firma Fowler“ und als erfolgreicher Auslandsagent in Russland, Rumänien, Italien, Polen, Österreich-Ungarn und Deutschland.

Nach zwanzigjähriger Tätigkeit bei Fowler kehrte Eyth 1882 nach Deutschland zurück mit der Idee, in Deutschland nach dem Vorbild der Royal Agricultural Society of England einen Reichsverein für landwirtschaftliche Ausstellungen zu gründen, der durch jährliche Wanderausstellungen alle Zweige der Landwirtschaft fördern und vor allem Maschinen und Geräte vorführen und dadurch zum Wettbewerb beitragen sollte. Trotz Widerständen ließ sich Eyth nicht abschrecken und trieb auf eigenen Kosten die Gründung eines solchen Reichsvereins voran. Er fand zwar in Deutschland ein reichhaltiges landwirtschaftliches Vereinsleben vor, aber fast alle lebten von staatlicher Unterstützung, erschöpften sich in Resolutionen an die Regierung und waren zudem stark föderalistisch und regional organisiert. Ihm aber schwebte ein Verein für das ganze Deutsche Reich vor, der unpolitisch arbeitet, finanziell selbständig und damit auch von den Regierungen unabhängig ist und nach englischem Vorbild ein Stück Selbstverwaltung der beteiligten Wirtschaftskreise darstellt.

Eyth reiste durch die Lande und warb für seine Idee. Schließlich stellte er sich selbst die Bedingung, in einem halben Jahr 500 und in zwei Jahren 2.500 Mitglieder, die einen Jahresbeitrag von 20 Mark zu entrichten hatten, zu gewinnen. Das von allen unerwartete gelang. Noch vor den selbst gestellten Fristen waren die Mitgliederzahlen erreicht und am 11. Dezember 1885 wurde in Berlin der Reichsverein gegründet, der den Namen Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft erhielt, dem Eyth noch in der Gründungsversammlung die Abkürzung DLG mit auf den Weg gab. Der Land- und Ernährungswirtschaft zu helfen, ihre Zukunft zu meistern, das war sein Grundauftrag. Zur Erfüllung dieser Aufgabe trugen von Beginn an Ausstellungen, die Prüfung von Maschinen und Geräten sowie Qualitätswettbewerbe von Lebens- und Betriebsmitteln bei. Die erste Wanderausstellung der DLG fand bereits im Jahr 1887 in Frankfurt am Main statt. Heute gelten die aus den traditionsreichen universellen DLG-Ausstellungen entstandenen Fachausstellungen Agritechnica und EuroTier als die weltweit führenden für Landtechnik und für die professionelle Tierhaltung. Bis zu seinem Abschied von der DLG im Jahr 1896 mit dem Umzug nach Ulm war Eyth geschäftsführendes Mitglied des Direktoriums und verantwortlicher Organisator der jährlichen Wanderausstellungen.

Sein erstes Buch erschien ohne sein Wissen. Sein Vater hatte die Briefe an die Eltern, die er auf seinen zahlreichen Reisen geschrieben hatte, zu einem \"Wanderbuch eines Ingenieurs\" zusammengestellt und 1871 veröffentlicht. Wegen des unerwarteten Erfolges ließen dann Vater und Sohn noch im gleichen Jahr einen zweiten Band folgen. Bis 1884 erschienen dann noch weitere vier Bände des Wanderbuches. In der Hauptsache war Eyth bis zu seinem Umzug nach Ulm mit technischen und ökonomischen Schriften beschäftigt, die von 1882 an vor allem auch der DLG und ihren Arbeiten galten. Von den 67 größeren Veröffentlichungen Eyths hat nur etwa der fünfte Teil ausgeprägt literarischen Charakter, die meist erst in den Ulmer Jahren entstanden und seinen Ruf als Schriftsteller begründeten. Darunter ist auch sein bekanntestes Werk \"Hinter Pflug und Schraubstock\", in dem er Skizzen aus seinem Leben zu selbstbiographischen humorvollen Erzählungen verarbeitete und auch einige Gedichte einfließen ließ. Das 1898 erschienene Buch erreichte eine Auflage von über 340.000 Exemplaren. Weitere bekannte Werke, die hauptsächlich während seiner letzten zehn Lebensjahre in Ulm entstanden, sind der \"Kampf um die Cheopspyramide\", die überarbeiteten Wanderbücher unter dem Titel \"Im Strom unserer Zeit\" sowie der „Schneider von Ulm“. Der gesamte schriftstellerische Nachlass von Max Eyth liegt im Deutschen Literaturarchiv des Schiller-National-Museums in Marbach am Neckar.

Neben Technik und Poesie vereinigte Max Eyth eine weitere Gabe, er war ein begnadeter Zeichner. Erstaunlich ist, dass er neben seiner starken beruflichen Anspannung, seiner ausgedehnten, in damaliger Zeit lang dauernden und beschwerlichen Reisetätigkeit, immer wieder Zeit und Muse zum Zeichnen fand. Stift und Aquarellfarben waren seine ständigen Begleiter auf all seinen Reisen. Wie er in seinen Schriften jede Situation mit außerordentlicher Präzision zu schildern wusste, so verstand er es auch, das vor seinen Augen Ausgebreitete klar zu erfassen und zu umreißen. Im Alter ordnete Max Eyth diese Vielzahl von Blättern, führte eine Reihe von ihnen sauber aus und hinterließ diesen Schatz hohen kulturhistorischen Wertes, den er selbst \"Ein Leben in Skizzen\" nannte, der Stadt Ulm. Annähernd 1000 Blätter dokumentieren die Stationen seines bewegten Lebens und sind Beweis seines Fernwehs und seiner Schaffenskraft.

Max Eyth wurde für seine herausragenden Leistungen mit zahlreichen nationalen und internationalen Ehrungen bedacht. Aufgrund seiner Verdienste wurde er in den persönlichen Adelsstand erhoben und durfte sich „Max von Eyth“ nennen. Bis weit in das 20. Jahrhundert hinein hat er sich bei den Menschen einer hohen Wertschätzung erfreuen können. Seine Bücher wurden gerne und häufig gelesen, seine Taten von der Dampfpflügerei bis hin zur DLG mit ihren Ausstellungen und Qualitätsprüfungen waren in den Köpfen der Menschen präsent. So fand und findet er in der Literatur seinen Niederschlag. Auch seine Bücher erfahren gegenwärtig Neuauflagen. Zahlreiche Straßen und Plätze wurden und werden auch heute noch nach Max Eyth benannt. Und selbst der größte See der baden-württembergischen Landeshauptstadt Stuttgart trägt seinen Namen. Daneben pflegen sein Geburtsort Kirchheim/Teck, die DLG und der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) mit seiner Landtechnikabteilung, die den Beinamen „Max-Eyth-Gesellschaft“ trägt, das Erbe. Zahlreiche Auszeichnungen, mit denen die DLG verdiente Persönlichkeiten aus der Landwirt- und Ernährungswirtschaft ehrt, tragen den Namen Max Eyth.

Max Eyth starb am 25. August 1906 in Ulm, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte. Dort befindet sich auf dem neuen Friedhof auch heute noch sein Grab.

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Rubrik:
Geschichte und Geschichten

Artikel eingestellt am:
25.8.2006, 10:53

Quelle:
DLG e.V.
www.dlg.org

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