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Horsch Seminar „Knappe Nahrungsmittel – Chancen und Gefahren für die Zukunft“

Über 1.500 Gäste sind zwischen Mitte Mai und Mitte Juni zu Gast in der Horsch Zentrale Gut Sitzenhof in Schwandorf bei den Praxistagen. Nach dem großen Erfolg vom letzten Jahr hatte man sich im Horsch Marketing entschieden erneut interessierte Landwirte und Händler aus ganz Europa zu den Praxistagen einzuladen. Sie konnten sich über aktuelle Produkte, Anbautechniken und Trends informieren und sich untereinander austauschen. „Wir waren bereits im letzten Jahr, als wir die Veranstaltung das erste mal angeboten haben, sehr zufrieden. Eine Resonanz wie in diesem Jahr mit fast doppelt so vielen Gästen freut uns natürlich um so mehr“, so Marketingleiterin Cornelia Horsch.

Mitten im Zeitraum der Praxistage hat in diesem Jahr das Horsch Seminar stattgefunden, bei dem jährlich brisante und aktuelle Themen angesprochen werden, um über den Tellerrand der Landtechnik hinauszublicken. Diesmal ging es um „Knappe Nahrungsmittel – Chancen und Gefahren für die Zukunft“. Rund 350 Gäste fanden sich dazu am 31. Mai in der Ostbayernhalle nahe Gut Sitzenhof ein. Wie auch in den letzten Jahren standen hochkarätige Experten auf dem Podium: Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker (Präsident der der Bren School of Environmental Science and Management, University of California, Santa Barbara), Dr. Tilo Bode (Gründer und Geschäftsführer der Verbraucherschutzorganisation foodwatch), Carl-Christian von Plate (DLG Vorstandsmitglied und Landwirt mit 700 ha Ackerfläche) und Michael Horsch (Firmengründer und international tätiger Geschäftsführer der HORSCH Maschinen GmbH).

„Der Landwirt ist heute mehr Spekulant, als er immer schon war. Hat man früher zwischen 10 und 11 Euro die Tonne Weizen gehandelt, ist man heute bei 15 bis 30. Diese großen Preissprünge sind entscheidend für den Betriebserfolg und damit gefährlich“, sagt Michael Horsch. Der Grund für die enormen Preise: Die Zeiten von Nahrungsmittelüberschüssen und vollen Lagerhäusern sind vorbei. Von Überschussproduktion in der Landwirtschaft ist keine Rede mehr. Statt zu viel, produzieren die Landwirte weltweit nun eher zu wenig. Flächenstilllegungen? Das war einmal. Der Anbau von Energiepflanzen konkurriert mit der Erzeugung von Lebensmitteln um die dafür benötigten Flächen. Zusätzlich wird in Schwellenländern mit hohem Wirtschaftswachstum wesentlich mehr Fleisch konsumiert. Um 1 kg Rindfleisch zu produzieren, werden 7 kg Getreide benötigt. Plötzlich ist der „Hunger“ in aller Munde. Und besser wird die Lage, was den weltweiten Getreidevorrat angeht sicher nicht, denn selbst bei einer Rekordernte, die auch dieses Jahr nicht zu erwarten ist, werden sich die Lagerbestände nicht signifikant erhöhen.

Der früher als „Umweltgewissen Deutschlands“ bezeichnete Prof. Ernst Ulrich von Weizsäcker hat die Situation der letzten Jahre analysiert und mit dem jahrelang auch von den Vereinten Nationen gepredigten Diktum aufgeräumt, Fortschritt sei die Überwindung der Subsistenzlandwirtschaft (sich selbst erhaltende Landwirtschaft). Das Gegenteil sei vielmehr richtig. „Da ist einiges einfach falsch gelaufen, etwas als Entwicklung bezeichnet worden, das eigentlich keine ist.“ Von Weizsäcker sah „große Bedrohungen auch auf der Klimaseite“ für die Landwirtschaft und Nahrungsmittelversorgung. Allein um die Kohlendioxid-Konzentration in der Atmosphäre wenigstens zu stabilisieren, müssten die Emissionen des Klimakillers CO2 um mindestens 50 Prozent gesenkt werden. „Wenn wir aber so weiter wurschteln wie bisher, kriegen wir eine Verdoppelung.“ Im Biosprit sieht er dafür freilich keine Lösung. Denn: Alleine für eine Tankfüllung von 100 Litern wird so viel Getreide oder Mais benötigt, wie ein Mensch das ganze Jahr über braucht, um sich zu ernähren. Generell wirkt Biosprit erst in der zweiten Generation (Bioethanol aus Holz und Schilf) positiv auf den Klimawandel aus. Doch von Weizsäcker möchte sich nicht vorstellen, was passiert, wenn einmal die genetisch veränderten Mikroben, die diesen Biosprit industriell in 100-fachem Tempo erzeugen und damit das Holz zersetzen sollen, aus Versehen in unsere Wälder und Felder gelangen. Nicht ganz so negativ sah er dagegen die Entwicklung der Rohstoffpreise. Bis auf Öl, Erdgas und wenige seltene Metalle werden sich die Preise wohl eher stabilisieren und selbst Öl wird auf Dauer im Preis eher konstant bleiben, da vor allem in Kanada bisher ungenutzte riesige Mengen Öl aus Teersand gewonnen werden können. Und dieses Öl zu fördern rechnet sich bereits ab einem Preis von 100 Dollar pro Barrel, der schon lange überschritten wurde.

Mit Dr. Thilo Bode stand ein Redner auf dem Podium, der sich nicht scheute, unbequeme Aussagen zu treffen. Nicht umsonst hatte Michael Horsch vorab gemutmaßt, dass das „heute sehr spannend werden könnte“. Wurde es tatsächlich. Spätestens als Bode den Gästen unverblümt erklärte, dass der Hunger zum Beispiel in Afrika viel mit den Subventionen zu tun hat, die Landwirte von der EU bekommen, „ging ein Raunen durch den Saal“, wie Moderator Tim Schlüter es formulierte. „Die EU trägt zum Hunger bei“, so Bode. Hoch subventionierte Lebensmittel aus Europa machten es Bauern in der Dritten Welt unmöglich, ihre eigenen Produkte abzusetzen, sie könnten preislich einfach nicht mithalten. „Mit dieser Förderpolitik haben wir Existenzen in der Dritten Welt vernichtet“, sagte Bode und sprach, die UNO zitierend, von einem „perversen System“. Er wäre daher dafür zunächst alle Subventionen zu streichen, um dann nur noch dort zu subventionieren, wo es ohne nicht geht und gezielt Maßnahmen zur Erhaltung der Kulturlandschaft in Form von Landschaftspflege zu ergreifen. Die grüne Gentechnik ist für Bode übrigens nicht zur Bekämpfung des Hungers geeignet. Sie reduziert zwar den Aufwand bei der Schädlingsbekämpfung und beim Düngen, hilft aber nicht den Nahrungsvorrat aufzustocken, denn der Ertrag bleibt nahezu gleich und das Saatgut ist teuer. Die Heilsversprechungen des Konzerns Monsanto den Hunger zu bekämpfen, nannte er dementsprechend auch eine Frechheit. Denn Monsanto will so verhindern, dass Landwirte selber Sorten züchten. Der Konzern wolle lediglich ein Monopol schaffen, damit noch mehr Geld verdienen und die Landwirte von sich abhängig machen.

Für Carl-Christian von Plate ist die stark gestiegene Produktion von Agrosprit ein Grund für die knapper und damit teurer gewordenen Nahrungsmittel. Andere Gründe sind seiner Überzeugung nach jedoch auch die Häufung von Ernteausfällen durch „Wetterkapriolen“ und die verstärkte Nachfrage aus Schwellenländern wie China und Indien, die er als wahre Rohstoffstaubsauger bezeichnete. Außerdem sei beispielsweise in den letzten zehn Jahren sowieso weniger Getreide produziert worden, als tatsächlich verbraucht wurde. „Die Welt hat von ihren Vorräten gelebt.“ Den Herausforderungen kann jeder einzelne Landwirt nur gerecht werden, wenn er noch effizienter arbeitet, als er das eh schon macht. Das größte Potenzial liegt für den Landwirt übrigens nicht in Gentechnik, Dünger oder Pflanzenschutz allein, sondern auch in der richtigen Technik, was Horsch mit immer wieder neuen Innovationen auch schon seit Jahren beweist, so von Plate. Die Probleme in der Welt löst der Einzelne damit natürlich weiterhin nicht, aber es ist seine Pflicht, sich der gestiegenen Herausforderung und Verantwortung bewusst zu sein. „Risikoreiche Zeiten erwarten die Landwirte, leichter wird es nicht und mit ziemlicher Sicherheit werden sie immer mehr harte Wettbewerber untereinander“, so von Plate. Generell befürchtet er jedoch, dass das Thema Nahrungsmittelknappheit auch ganz schnell wieder von der Bildfläche verschwinden könnte, weil dann „die nächste Sau durchs Dorf getrieben wird“.

Bei der abschließenden Podiumsdiskussion, die von ARD und NDR Moderator Tim Schlüter geleitet wurde, nahmen sich alle Referenten Zeit um komplexe Sachverhalte noch einmal zu erklären und vor allem um Fragen der anwesenden Gäste zu beantworten.

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Rubrik:
Messen und Veranstaltungen

Artikel eingestellt am:
11.6.2008, 18:03

Quelle:
HORSCH Maschinen GmbH
www.horsch.com

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