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Agritechnica 2017 / Systems & Components: Connectivity vereint Mechatronik und Digitalisierung

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Artikel eingestellt am:
06.9.2017, 18:30

Quelle:
DLG e.V.
www.dlg.org

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Automatisierung und die unaufhaltsame Digitalisierung beherrschen die rasante Entwicklung im Landtechnikmarkt. Einer repräsentativen Befragung der Bitkom Research (1) zufolge nutzt heute schon jeder Zweite in der Branche (53 Prozent) digitale Lösungen. Bei vier von zehn (39 Prozent) Landwirten beziehungsweise Lohnunternehmern erfolgt beispielsweise die Bodenbearbeitung, Aussaat, Pflanzenpflege und die Ernte mit digitalisierten Landmaschinen. Dennoch ist, einem Whitepaper der 365FarmNet entsprechend, immer noch ein überwiegender Anteil der im Betrieb befindlichen Landtechnik altersbedingt analog und verfügt nicht über die entsprechende digitale Technik und Vernetzung (2). Mechanik, Elektronik und Computertechnologie, zusammengefasst Mechatronik, beeinflussen die Möglichkeiten und Chancen des digitalen Wandels, der digitalen Transformation. Die rasanten Entwicklungen in den Technologien erfordern auch für den Landtechnikbereich schnelles Handeln.

Die „Systems & Components“ für Systeme, Module, Komponenten und Zubehör für Landtechnik und verwandte Industrien findet vom 12. bis 18. November 2017 (Exklusivtage am 12. und 13. November) im Rahmen der Agritechnica 2017, der nach Angaben des Veranstalters weltgrößten Fachmesse für Landtechnik, in Hannover statt. Auf der international ausgerichteten Plattform werden Neuheiten und Lösungen aus den Bereichen Motoren, Hydraulik, Achsen, Antriebstechnik, Kabinen, Elektronik, Ersatz- und Verschleißteile vorgestellt.

„Die Interaktion zwischen Komponenten entscheidet darüber, wie und ob mobile Anwendungen optimal funktionieren. Connectivity ist die Voraussetzung dafür, um eine Feinabstimmung in modernen, hochkomplexen Systemen aus mechanischen, hydraulischen, elektrischen und elektronischen Komponenten zu erreichen. Ein Grund mehr, dass wir die diesjährige Systems & Components unter das Leitthema „Stay with us, stay connected“ stellen“, unterstreicht Dr. Raffaele Talarico, Projektleiter des Veranstalters DLG (Deutsche Landwirtschafts-Gesellschaft). Und ergänzt: „Wir setzen Impulse und bieten Ansätze für Zukunftsentwicklungen in der Landtechnik. Gleichzeitig zeigen wir aber auch Lösungen für den Transfer von analogen Technologien in die digitale Welt der Landtechnik.“

Bereits heute ermöglichen Bluetooth „Beacons“, GPS (Global Positioning Systems) und RFID-Systeme (radio-frequency identification) im Zusammenspiel mit Software-Produkten, durch Standardisierung und herstellerübergreifende Kompatibilität die Digitalisierung älterer Maschinenbestände. Laut 365FarmNet ist diese Teildigitalisierung für viele Landwirte der gangbare Weg in die digitale Landwirtschaft.

Über Herstellergrenzen hinweg können durch Vernetzung neue Potenziale zur Steigerung der Prozess- und Arbeitseffizienz in der Landtechnik erreicht werden. Weg von Insellösungen hin zu vernetzten Lösungen. Dazu sind allerdings, um nur einige Anforderungen zu nennen, einheitliche Schnittstellen, Datenformate, Managementsysteme, Telekommunikations-Infrastrukturen, Regelungen der Datenerfassung, -analyse und -sicherheit zwingende Voraussetzung. Effiziente Entwicklungen, Lösungen und Produkte präsentieren rund 700 Aussteller auf der Spezialmesse Systems & Components.

Oerlikon Graziano stellt ihre neu entwickelte, zum Patent angemeldete Synchronisationstechnik für Agraranwendungen vor. Laut Hersteller kann diese Neuheit auch in verwandten Bereichen wie Personen- und Nutzfahrzeugen, Industrie und Bau eingesetzt werden. Der für den langlebigen Einsatz konzipierte CSS Compact Slotless Synchronizer verbessert die Gesamtleistung und Effizienz von Kraftübertragung. Hauptfaktoren sind die optimierte Schaltbarkeit, erhöhte Leistungsdichte, der Einsatz innovativer Reibwerkstoffe, die speziell für den Hochleistungseinsatz entwickelt wurden. CSS steht als Prototypenstufe für Testzwecke zur Verfügung, die Serienfertigung ist für Anfang 2019 vorgesehen.

Höhere Flächenleistungen in der Bodenbearbeitung können am Pflug mit einer größeren Arbeitsbreite, einer höheren Geschwindigkeit oder aber durch Verlängerung der Einsatzzeit mit verringerter Rüstzeit erreicht werden. In eigenen Versuchen hat die Fachhochschule Kiel, FB Agrarwirtschaft, unter Prof. Yves Reckleben unterschiedliche Werkstoffe am Fünfschar-Juwel 8-Pflug im Vergleich getestet. Härtere Metalle für die Verschleißteile am Lemken-Pflug brachten deutlich längere Einsatzzeiten von bis zu rund 250 Prozent. Der Kraftstoffverbrauch wurde volumetrisch mit einem Ringkolbenzähler (VDO-Kienzle) im Vor- und Rücklauf gemessen und mit der GPS-Position auf dem Feld von einem Datenlogger aufgezeichnet. Zusätzlich wurde die Geschwindigkeit über Grund mit Hilfe der GPS-Position bestimmt. Durch Reduktion der Schraubenanzahl zur Befestigung der Verschleißteile am Körperrumpf wird die Rüstzeit deutlich verkürzt. Im Vergleich zum Standardmaterial weist das neu verwendete Material bereits nach 932 ha Ackerfläche eine deutliche Kostenreduzierung auf.

Der seit Ende 2016 in Serie gefertigte neue Pistenbully 100 der Kässbohrer Geländefahrzeug AG wird mit dem modifizierten Fahrgetriebe (PGR-802T) von Comer Industries ausgestattet. Das Entwicklungsteam von Comer hat innerhalb dieser Kooperation ein zweistufiges Planetengetriebe mit rotierendem Gehäuse konstruiert. Alle Anwendungen wurden im hauseigenen Versuchslabor, dem Mechatronics Research Center, von Comer simuliert. Neue Berechnungsmethoden wurden eingeführt und durch Feldtests bestätigt. Ein Antrieb mit sehr kleiner Untersetzung, um die hohe Antriebsdrehzahl zu erreichen. Drehmoment: 6900 Nm bei einer Drehzahl von 230 pro Minute. Hohe Leistungsdichte auf sehr engem Bauraum; 20 Prozent mehr Schubkraft. Die extern angeordnete Parkbremse ermöglicht ein verfeinertes Design und eine bessere Wärmeabfuhr. Erkenntnisse aus der Kooperation der beiden Hersteller werden auch in mobile Maschinen der Landtechnik einfließen.

Claas bietet seit über 20 Jahren sein bewährtes Fahrwerksystem Terra Trac-System an. Mit der bis zu 90 cm Laufbandbreite wird eine enorme Reduzierung der Bodenverdichtung von bis zu 66 Prozent gegenüber einer Radmaschine erreicht. Selbst bei hügeligem Gelände und Hanglagen, auch bei Nässe wie beispielsweise bei Reisernten, wird je nach Bodenbeschaffenheit eine verbesserte Traktion erreicht. Alle Komponenten im Terra Trac wie Triebrad, Laufrad und Stützrollen sind separat gefedert. Das verringert Stöße auf Karosserie und Fahrwerk, sorgt für Fahrkomfort und gewährleistet dank Nivellier-Automatik eine bessere Kurvenstabilität. Das Fahrwerksystem überzeugt durch deutlich geringeren Fahrwiderstand, Schlupf und Kraftstoffverbrauch. Hervorzuheben sind noch die längeren Einsatzzeiten, die höhere Kampagnenleistung und volle Straßentauglichkeit mit 30 oder 40 km/h.

(1) Bitkom Research 2016: Landwirtschaft 4.0 ist auf den Höfen angekommen
(2) 365FarmNet GmbH, 1/2017: Whitepaper: Landwirtschaft 4.0, Landtechnik anschlussfähig machen

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