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EIMA 2022 in Bologna – ein kleiner Messerückblick

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Artikel eingestellt am:
02.1.2023, 7:20

Quelle:
ltm-KE, Bilder ltm-ME und ltm-KE

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Als vollen Erfolg bezeichnet der Veranstalter FederUnacoma die 45. Ausgabe der EIMA International, die vom 9. bis 13. November 2022 auf dem Messegelände in Bologna (Italien) stattfand. Mit 327.100 Besucher*Innen – davon 57.300 aus dem Ausland – fand die EIMA 2022 nicht nur zur ihrer alten Größe vor der Covid-19-Pandemie zurück, sondern konnte soger die bisherige Rekordmarke von 317.000 Gästen auf der EIMA 2018 übertreffen. Nachdem die letzte EIMA Pandemie-bedingt als EIMA 20 21 verteilt auf zwei Jahre stattfand, kehrte die Messe mit der diesjährigen Veranstaltung wieder zum gewohten zweijährigen Rythmus in den geraden Jahren zurück. Die nächste EIMA findet demnach vom 6. bis 10. November 2024 statt.

Mehr als 1.500 Ausstellende aus über 40 Ländern zeigten auf der EIMA 2022 laut FederUnacoma etwa 60.000 Exponate – darunter auch einige Weltneuheiten – aus allen Bereichen der Landtechnik sowie zu den Themen Grünflächen- und Grundstückspflege, erneuerbare Energien und Komponenten. Dass der Fokus dabei auf Produkten aus Italien und für den italienischen Markt liegt, ist klar – schließlich ist die EIMA, trotz internationaler Ausrichtung, eine italienische Landtechnikmesse. Das wirft natürlich unmittelbar die Frage auf, ob sich ein Besuch der Messe für Landwirt*Innen aus dem deutschsprachigen Raum überhaupt lohnte. Wir meinen unbedingt und uneingeschränkt ja. Und das hat mehrere Gründe: Da wären zunächst die Maschinen für Obst- und Weinbau respektive Sonderkulturen wie Gemüsebau zu nennen, die in Bologna in großer Zahl vertreten waren. Wer in diesen Bereichen tätig ist, fand auf der EIMA demnach ein reichhaltiges und interessantes Angebot, dass mit spezialisierten Messen durchaus mithalten konnte und diese möglicherweise sogar teilweise übertraf. Ähnliches gilt für den Themenbereich Feldroboter und Dronen, dem sich der Bereich eima digital widmete. Wer sich für Zukunftstechnologien interessiert, kahm hier voll auf seine Kosten. Mit der EIMA IDROTECH widmete sich ein Bereich der Messe speziell dem Thema Bewässerung, das in Italien traditionell von Bedeutung ist, aber auch hierzulande – das haben die vergangenen Jahre leider mehr als eindrucksvoll gezeigt – zunehmend wichtiger wird. Wer sich hier rechtzeitig umfassend informieren wollte, fand dazu in Bologna ausreichend Möglichkeiten. Überhaupt ist es durchaus interessant auch einmal einen Blick über den sprichwörtlichen Tellerrand zu wagen: Landwirtschaft in anderen Ländern funktioniert, zumindest in Teilbereichen, oft auch gänzlich anders und eine Messe wie die EIMA ermöglicht dadurch natürlich völlig neue Blickwinkel. Und sie lädt zum Fachsimpeln mit Herstellern und Berufskolleg*Innen ein – Sprachbarrieren werden dabei schnell überwunden, sei es auf Englisch oder notfalls mit Händen und Füßen... Nicht zuletzt ist auch die Vielzahl der vertretenen Hersteller bemerkenswert. In Italien tummeln sich – verglichen mit Deutschland – zahlreiche, insbesondere auch kleinere, Firmen auf dem Landmaschinenmarkt, die teilweise sehr spezialisierte Produkte anbieten. In diesem Zusammenhang möchten wir die EIMA durchaus auch Händler*Innen empfehlen, denn viele dieser Unternehmen sind in Deutschland bislang nicht vertreten, bieten jedoch Maschinen an, die als Sortimentsergänzung nicht uninteressant sein könnten.

Was aber gab es nun konkret zu sehen auf der EIMA 2022? Wir haben uns zwei Tage in Bologna umgesehen und geben Euch mit diesem Artikel und in der Bildergallerie einen kleinen Überblick, der definitiv nicht vollständigen und deshalb exemplarisch ist. Unseren Schwerpunkt legen wir dabei klar weniger auf die Global Player, die auch auf Messen wie beispielsweise der Agritechnica zu finden sind, sondern mehr auf jene Hersteller respektive Maschinen, die aus unserer Sicht gerade das Besondere der EIMA ausmachen.

Wie auf allen landtechnischen Messen, waren auch auf der EIMA 2022 Traktoren, als kleinster gemeinsamer Nenner aller landwirtschaftlicher Betriebe – der sie nun einmal nach wie vor sind –, in großer Zahl zu sehen. Dass die Marken mit einem kompletten Angebot vom Schmalspur- bis zum Großtraktor, wie beispielsweise New Holland, Case IH, Steyr, Deutz-Fahr, Landini, McCormick, Fendt, Kubota, Claas, et cetera nicht fehlten, versteht sich von selbst. Daneben zeigten aber auch viele Hersteller ihre Produkte, die sich auf bestimmte Segmente wie Transporter oder Schmalspur- und Mähtraktoren spezialisiert haben. Zu nennen sind hier BCS, Ferrari, Pasquali, Goldoni, Caron und Antonio Carraro. Auffällig ist hier, dass die meisten der Schmalspur- und Mähtraktoren mit gleichgroßen Rädern an Vorder- und Hinterachse sowie mit niedrigem Schwerpunkt ausgeführt sind und oft mit Knick- oder Allradlenkung sowie mit umkehrbahrem Bedienstand angeboten werden – Spezialtraktoren herkömmlicher Bauart sind bei italienischen Herstellern dagegen eher die Ausnahme. Interessant sind auch die Transporter, denn neben Modellen in Frontlenker-Bauart mit Zwei-Personen-Kabine gibt es auch kleinere Modelle, deren Traktoren-Herkunft nicht zu übersehen ist. Noch weiter als bei den letztgenannten Herstellern geht die Spezialisierung bei BM Tractors und SCAIP. BM Tractors bietet mit dem Better 175 lediglich ein einziges Modell an, das zudem in seiner Art – der Better 175 ist wie ein Mähtraktor aufgebaut, mit 170-PS-Motor jedoch ungleich leistungsfähiger – einzigartig ist. SCAIP wiederum hat sich auf Raupentraktoren für die (tiefe) Bodenbearbeitung auf sehr harten und schweren Böden – wie sie etwa in Italien in der Emilia Romagna vorkommen – sowie für den Forsteinsatz spezialisiert. Die SCAIP Warrior Raupen (siehe auch erstes Bild in der Galerie zu diesem Artikel) sind reinrassige Arbeitsmaschinen für den Feldeinsatz und gehören mit ihren soliden Stahlkettenlaufwerken und maximal 12 km/h Höchstgeschwindigkeit definitiv nicht auf die Straße...
Neben bestehenden Produkten wurden auf der EIMA 2022 natürlich auch einige Traktor-Neuheiten vorgestellt. Deutz-Fahr zeigte beispielsweise neue Modelle in den Serien 6 und 6.4, bei Landini gab es den neuen Hybridtraktor Rex 4 Fullhybrid zu sehen, Kioti – bei uns eher für Kleinst- und Kleintraktoren bekannt – präsentierte mit der brandneuen HX Serie Standardschlepper mit bis zu 127 PS (Boost-)Motorleistung, von John Deere wurden die neuen 5ML Spezialtraktoren vorgestellt und Solis zeigte neben dem neuen voll-elektrischen Kleintraktor S26EV auch neue Kompakttraktoren mit EU-Stufe-V-Motoren im Leistungsbereich bis etwa 90 PS.

Dass in den Bereichen Erntemaschinen sowie Futtererntetechnik in Bologna natürlich Mähdrescher und Rodetechnik sowie Mähwerke, Wender, Schwader und Ballenpressen gezeigt wurden, bedarf eigentlich keiner besonderen Erwähnung. Dennoch gibt es hier einige Unterschiede zum deutschen Markt. In Italien nach wie vor weit verbreitet und demnach bei einigen Herstellern im Programm, sind beispielsweise Sternradrechwender (Sternradschwader) und Schubrechwender (Schräglauftrommelwender, Kammschwader) und Hochdruckpressen. In unseren Breiten ebenfalls nicht mehr üblich sind Mähladewagen, die, mit einem vor der Pickup angeordneten Mähwerk ausgestattet, eine schlagkräftige Sommer-Stallfütterung ermöglichen, auch wenn keine Fronthydraulik am Schlepper oder ein Frontmähwerk vorhanden sind. In diesem Zusammenhang sei auch eine interessante Konstruktion zum Thema Frontmähwerk erwähnt, die es bei BCS zu sehen gab: Der Hersteller stattet sein Mähwerk mit Flügeln aus, die Staub richtung Boden leiten und so vom Traktor fernhalten sollen.
Wie bereits erwähnt, gab es in Bologna viele Maschinen für Obst- und Weinbau und Sonderkulturen. Das trifft natürlich auch bei der Erntetechnik zu, so dass es neben Traubenvollerntern und beispielsweise Erntemaschinen für Salat und Blattgemüse auch Ungewöhnlicheres zu bestaunen gab. So zeigte etwa Bonino einen Vollernter für Lavendel, der vom Grundaufbau einem Mähladewagen (die der italienische Hersteller ebenfalls anbietet) entspricht, allerdings mit einer an die Lavendelpflanzen angepassten Schneide- Aufnahme- und Ladeeinheit. Bei mehreren Herstellern gab es Maschinen für die Ernte von Oliven, Pistazien, Mandeln, et cetera zu sehen. Diese bestehen aus einer massiven Rütteleinrichtung und einem um den Baumstamm gespannten Auffangschirm, in dem die vom Baum geschüttelten Früchte gesammelt werden. Und wer sich schon immer gefragt hat, wie Industrietomaten (etwa für Konserven, Tomatenmark und -ketchup) geerntet werden, fand auf der EIMA die Antwort: Die werden natürlich nicht als Stangentomaten gezogen und von Hand gepfückt sondern im großen Stil im Freiland als Strauchtomaten angebaut und maschinell geerntet. Dafür gibt es selbstfahrende Vollernter, die auf den ersten Blick wie Kartoffelroder aussehen und ähnlich wie diese, die komplette Pflanze aufnehmen um anschließend die Früchte von Blattwerk und Stängeln zu trennen.

Die bereits erwähnte Hersteller-Vielfalt auf dem italienischen Landtechnik-Markt zeigt sich besonders in den Bereichen Bodenbearbeitung, Bestellung, Pflege sowie Pflanzenschutz und Düngung. Ebenso zeigt sich hier die enorme Bandbreite der italienischen Landwirtschaft, die von Wein-, Obstbau und Sonderkulturen bis zu großen Ackerbaubetrieben reicht. Entsprechend erstrecken sich auch die angebotenen Maschinen von klein bis sehr groß, die zudem natürlich auch spezielle Bedürfnisse der landwirtschaftlichen Betriebe Italiens berücksichtigen. Eine detaillierte Beschreibung dieses enormen Angebotes würde den Rahmen dieses Artikels sprengen, so dass wir hier und in der Bildergallerie nur einige Maschinen beispielhaft nennen können, die auf der EIMA 2022 gezeigt wurden. Im Bereich der Bodenbearbeitung sind dies etwa die beeindruckenden Tiefpflüge sowie massive Tiefenlockerer beziehungsweise Tiefengrubber. Beim Thema Organische Düngung viel uns auf, dass Gülle-Technik in Bologna eher spärlich vertreten war, dafür zeigten mehrere Hersteller eine interessante Stalldung beziehungsweise Universalstreuer-Bauart mit frontseitig montierter Turbine. Diese Streuer werden in kleiner Ausführung auch für die Verteilung von festem organischen Dünger im Obst- und Weinbau, aber auch als Tridem-Fahrzeuge mit mehr als 20 m³ Fassungsvermögen für den Einsatz auf Grünland und Acker angeboten. Pflanzenschutzspritzen gab es reichlich zu sehen, inklusive Selbstfahrern in mannigfaltigen Ausführungen bis hinuter zum Miniatur-Selbstfahrer für Gewächshäuser. Daneben wurden jedoch auch viele Maschinen für die mechanische und auch thermische Beikrautregulierung gezeigt, gerne auch als Kombination chemischer und mechanischer Verfahren – der Trend hin zu einer Reduzierung des Chemieeinsatzes ist auch in Italien nicht zu übersehen.

Der Messe-Teilbereich eima digital zeigte eindrucksvoll, dass Elektronik respektive Digitalisierung in der Landtechnik inzwischen weit über Spurführungssysteme sowie teilflächenspezifische Bewirtschaftung hinaus sind und die Landtechnik-Branche hier – etwa im Vergleich zur Automobilindustrie aber auch zum Maschinenbau insgesamt – eine Vorreiterrolle einzunehmen scheint. Dronen etwa können zur Düngung oder zum Pflanzenschutz eingesetzt werden und (bodengebundene) Roboter übernehmen die Bodenbearbeitung, die Beikrautregulierung oder sogar die Ernte autonom. Im Schwarm oder im 24/7-Einsatz – dank autarker Energieversorgung mittels Solarzellen ist das teilweise möglich – sind insbesondere die Roboter in der Lage, auch große Flächen effektiv zu bearbeiten. Freilich, als Besucher*In aus Deutschland betrachtet man das alles mit einem lachenden und einem weineden Auge, denn hierzulande – dem Land der Datenschützer*Innen, Bedenkenträger*Innen und Fortschrittsverweigernden – stehen dem Einsatz vieler dieser autonomen Landmaschinen Gesetze entgegen. Hier ist eindeutig ein Umdenken erforderlich, wenn wir den jetzt schon bestehenden verlorenen Anschluss nicht zur absoluten Schlusslicht-Position ausbauen möchten. Die Technik ist jedenfalls – das hat die eima digital gezeigt – bereit und wird in naher Zukunft vermutlich noch mehr zu leisten im Stande sein.

Übrigens: Alle Infos zu den im Rahmen des EIMA 2022 Neuheiten-Wettbewerbs ausgezeichneten Neuheiten gibt es in den Artikeln „EIMA 2022 Technical Innovation Contest: 25 ausgezeichnete technische Innovationen“, „37 erwähnenswerte Neuheiten beim EIMA 2022 Technical Innovation Contest (Teil 1)“ und „37 erwähnenswerte Neuheiten beim EIMA 2022 Technical Innovation Contest (Teil 2)“.

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