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Innovation Award EuroTier 2021: 1 Goldmedaille und 7 Silbermedaillen für Neuheiten

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Artikel eingestellt am:
03.12.2020, 0:01

Quelle:
ltm-ME und ltm-KE, Bilder: Werksphotos
www.dlg.org

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Die EuroTier 2021 wird als reine Digitalmesse stattfinden – nichtsdestotrotz prämierte eine von der DLG eingesetzte, „neutrale Expertenkommission“ die zugelassenen Neuheiten-Anmeldungen; insgesamt wurden 77 beim Veranstalter eingereicht.

Traditionell findet die EuroTier alle zwei Jahre im Wechsel mit der Agritechnica in Hannover statt. Auf Grund der Covid-19-Pandemie wurde die Messe zunächst auf Februar 2021 verschoben. Irgendwann musste dann auch die DLG – deren Haupt-Geschäftszweck gefühlt die Durchführung von Veranstaltungen ist – einsehen, dass dieser Termin vor dem Hintergrund steigender Infektionszahlen nicht zu halten ist. Die Live-EuroTier wurde daraufhin endgültig abgesagt und die digitale Version ins Leben gerufen. Ob das auch damit zusammenhing, dass einige Unternehmen – denen der Termin im Februar aus den verschiedensten Gründen nicht behagte – ihre Teilnahme bereits storniert hatten und seitens der DLG die Angst vor nur lückenhaft gefüllten Messehallen bestand, sei dahingestellt...

Doch zurück zum Innovation Award EuroTier 2021, bei dem uns drei Punkte aufgefallen sind: Insgesamt wurden deutlich weniger wettbewerbsberechtigte Neuheiten eingereicht und prämiert als bei der EuroTier 2018: Von den 250 zugelassenen EuroTier-2018-Neuheiten-Anmeldungen wurden 26 mit Medaillen ausgezeichnet (siehe Artikel „EuroTier Gold- und Silber-Medaillen 2018: 26 Neuheiten stehen fest (Teil 1)“ und „EuroTier Gold- und Silber-Medaillen 2018: 26 Neuheiten stehen fest (Teil 2)“). Die Zahl der teilnehmenden Neuheiten am Innovation Award EuroTier 2021 ging demnach im Vergleich zu 2018 auf ein knappes Drittel zurück, im gleichen Umfang sank auch die Zahl der vergebenen Auszeichnungen auf acht.
Ein weiterer Punkt ist, dass die DLG betont, dass Anmeldungen aus allen Sachgebieten zum Wettbewerb eingingen. Wir vermissen unter den ausgezeichneten Innovationen jedoch solche für die Schweinehaltung.
Der dritte Punkt betrifft den Gewinner der einzigen Innovation Award EuroTier 2021 Goldmedaille: Der Hersteller hat dieses Produkt bereits vor fast zwei Jahren angekündigt beziehungsweise vorgestellt. Seitdem sind – nicht nur auf landtechnikmagazin.de – in zahlreichen (auch nicht-landwirtschaftlichen) Medien Berichte über diese innovative Neuheit erschienen. Von einer im Rahmen des Innovation Award EuroTier ausgezeichneten Neuheit erwarten wir, dass sie auch wirklich neu und nicht schon seit Jahren bekannt ist – unabhängig von einem, wie im vorliegenden Fall, unbestrittenen Innovations-Grad. Wir haben mit der DLG über diesen Punkt diskutiert. Mit dem Ergebnis, dass die DLG darauf beharrt, dass, gemäß der Wettbewerb-Teilnahmebedingungen, ausschließlich eine Ausstellung des Produkts auf einer früheren Messe – die nach Kentniss der DLG bislang nicht stattgefunden habe – eine Zulassung zum Innovation Award EuroTier verhindere. Alleine die Tatsache, dass das betreffende Produkt schon seit so langer Zeit durch die Presse wandert, disqualifiziere das Produkt nicht als Gold-Medaillen-Gewinner.
Die digitale EuroTier zeigt, dass auch die alt-ehrwürdige DLG zwischenzeitlich von dieser neuzeitlichen Erfindung namens Internet gehört hat, über die sich Neuigkeiten auch ganz ohne Live-Ausstellung wunderbar verbreiten lassen. Wir denken deshalb, es wäre an der Zeit, dass die DLG ihre Statuten dahingehend überarbeitet. Andernfalls riskiert sie leicht, dass ihre Preisverleihungen deutlich an Wert verlieren. Und das wäre schade für alle, die wirkliche, aktuelle Neuheiten zur Messe bringen.

Sei's drum, hier sind die Gewinner des Innovation Award EuroTier 2021:

Der Innovation Award EuroTier 2021 in Gold geht an:

Hanskamp AgroTech BV, CowToilet – Kuhtoilette mit Harn-Auffangeinrichtung
Die Hanskamp CowToilet setzt sich aus einer Futterstelle und einer Auffangeinrichtung für den Harn zusammen, bei der nach der Futtergabe der Reflex zum Abharnen ausgelöst und der Harn dann direkt aufgefangen wird. Das direkte Auffangen wird durch einen Schale realisiert, die genau unter der Kuh platziert wird. Die Experten-Jury wertet die Lösung als intelligente und bisher ungekannte Art, den Harn direkt und separat zu sammeln und betont, dass keine Belastung für das Tier entstehe.
Gerade der Minderung von Emissionen aus der Tierhaltung komme laut EuroTier-Expertenkommision eine wachsende Bedeutung zu und, statt wie früher bereits entstandene Emissionen zu entfernen, müssten Emissionen heute präventiv vermindert werden. Eine Kuh gibt pro Tag 15 bis 20 l Harn ab; verhältnismäßig viel Ammoniak in kurzer Zeit. Die frühe Trennung von Kot und Harn vermindere die Ammoniak-Entstehung auf den Laufflächen und erhalte die Laufflächen sauberer, was sowohl die Luftqualität im Stall erhöhe als auch die Klauengesundheit fördere. Des Weiteren erlaube die getrennte Sammlung von Kot und Harn den zielgerichteten Einsatz beider Stoffe im Pflanzenbau und in der Energieerzeugung, was die Nährstoffeffizienz steigere.
Zweifellos handelt es sich bei dem Kuh-Urinal oder auch „Kuhrinal“ um eine faszinierende Entwicklung, die uns allerdings schon seit Februar 2019 bekannt war, siehe Artikel „Hanskamp stellt CowToilet zur Senkung von Ammoniakemissionen vor“.

Die Innovation Award EuroTier 2021 in Silber gehen an:

respeggt GmbH, SELEGGT Circulus – automatische In-ovo-Geschlechtsbestimmung bei Hühnereiern
Das automatische Probe-Entnahmesystem SELEGGT Circulus der respeggt GmbH wurde entwickelt, um eine frühe Geschlechtsbestimmung (8./9. Bruttag) bei Hühnereiern zu realisieren und so das Töten männlicher Legerassen-Küken zu verhindern. Das Töten dieser Eintages-Küken ist weder politisch noch gesellschaftlich akzeptiert. Die respeggt GmbH hatte bereits 2018 das teilautomatisierte System SELEGGT Acus vorgestellt, das die Eier positioniert, damit die Prüfflüssigkeit mit einer Nadel aus der Allantois (embryonale Harnblase) entnommen werden kann. Das ursprüngliche System ist nach Angaben der DLG bereits im Praxiseinsatz. Prämiert wurde die Weiterentwicklung des Systems, SELEGGT Circulus, dass zwei entscheidende Nachteile des Vorgängers behebt: Beim SELEGGT Acus wird die Prüfflüssigkeit mit einer Nadel entnommen, womit die Gefahr einer Verletzung der Allantoismembran besteht, die eine Reduktion der Schlupfrate zur Folge haben kann. Das neue SELEGGT Circulus realisiert die Entnahme der Allantoisflüssigkeit kontaktlos und arbeitet vollautomatisch. Beim neuen Verfahren wird jedes acht bis zehn Tage bebrütete Ei mit einem Sensor auf seine Befruchtung kontrolliert und dann wird mit einem Laser ein feines Loch in der Bruteischale erzeugt. Anschließend wird eine minimale Menge Allantoisflüssigkeit entnommen und überprüft. Durch dieses Verfahren wird einerseits das Verletzungsrisiko der Allantois-Membran drastisch gesenkt und anderseits die Stundenleistung deutlich erhöht (nicht zuletzt, weil das Reinigen der Entnahmenadel entfällt). Nach Unternehmensangaben lag die Stundenleistung des Vorgängers SELEGGT Acus bei 600 Eiern, beim neuen SELEGGT Circulus dauert die Probeennahme 1 Sekunde, womit sich 3.600 Eier pro Arbeitsstunde ergeben. Im Drei-Schichtbetrieb (20 Einsatzstunden pro Tag) ergibt sich dann eine Tagesleistung von 72.000 Eiern und damit (bei einer 5-Tage-Woche) eine Wochenleistung von 360.000 Bruteiern, was zwischen 150.000 bis 180.000 Legeküken entspräche. Die EuroTier-Jury kann sich vorstellen, dass die Kombination aus kontaktloser Probennahme und gesteigerter Stundenleistung die Voraussetzungen schaffe, das Töten der Hahnenküken in Brütereien flächendeckend durch die In-ovo-Geschlechtsbestimmung zu ersetzen.

URBAN GmbH & Co. KG, Alma Pro Hygieneset – UV-C-Licht Desinfektion von Nuckel und Boilerwasser
Um bei der automatischen Fütterung in der Kälberaufzucht Risiken der Erreger-Weitergabe von Kalb zu Kalb zu reduzieren, hat Urban das Alma Pro Hygiene Set entwickelt, das mit UV-C-Licht-Bestrahlung zur Keimminderung arbeitet. Beim Alma Pro Hygiene Set wird sowohl das Boilerwasser als auch der Nuckel und auch die angrenzenden Kontaktflächen gezielt mit UV-C-Licht bestrahlt, um einerseits eine einwandfreie Wasserqualität zum Anmischen der Tränke zu gewährleisten und andererseits die Keimverschleppung durch die Kälber zu minimieren. Die EuroTier-Jury sieht im Alma Pro Hygiene Set eine sichere, besonders ressourcenschonende und chemikalienfreie Möglichkeit zur Keimreduktion im Kälbertränkebereich.

Holm & Laue GmbH & Co. KG, Brix-TS Sensor – Messung und Überwachung der Trockensubstanz der Tränkemilch
Auch der Brix-TS Sensor von Holm & Laue wurde für die Kälberaufzucht mit Tränkeautomaten entwickelt. Diese Automaten werden mit Milchpulver, mit Vollmilch oder einer Kombination aus beidem befüllt, allerdings ist der Trockensubtanz-Gehalt verschiedener Milchpulver-Chargen nicht immer identisch. Der elektronische Refraktometer-Sensor Brix-TS wurde in den Anmischbecher des Kälbertränkeautomaten „Calf Expert“ integriert und misst dort kontinuierlich die Trockensubstanz der frisch angemischten Kälbermilch. Bei Abweichungen wird die Konzentration in der Tränkemilch korrigiert, womit auch beim Einsatz von Vollmilch eine gleichbleibende Trockensubstanzkonzentration der Tränkemilch gewährleistet wird. Die EuroTier-Jury prämierte den Brix-TS Sensor, weil diese technische Lösung eine kontinuierlich gleichbleibende Kälbertränke gewährleisten kann.

BIORET AGRI Logette Confort, Delta X Pack – automatisierte Trennung von Kot und Harn auf Laufflächen von Milchviehställen
BIORET AGRI nimmt sich mit dem Delta X Pack des Problemes der Entstehung von Ammoniakemissionen auf den Laufflächen in Milchviehställen an. Hinter Delta X Pack steckt die Überlegung, dass Ammoniakemissionen vermehrt auftreten, wenn der von den Kühen abgesetzte Harn längere Zeit unter Luftkontakt und in Kontakt zum Kot auf den Laufflächen verbleibt. Im Umkehrschluß lassen sich demnach die Ammoniakemissionen durch eine schnelle Trennung von Kot und Harn reduzieren. Delta X Pack besteht aus einem Gummimattensystem mit 3 Prozent Gefälle und einem gegenläufigen Förderbandsystem. Den in der Mittelrinne gesammelte Harn leitet Delta X Pack zum Flüssig-, den Kot der Tiere getrennt zum Feststofflager. Delta X Pack arbeitet automatisch und damit einfach und ohne zusätzlichen Arbeitsaufwand. Neben der Verringerung der Ammoniakemissionen ergeben sich durch die schnelle Trennung von Harn und Kot weitere Vorteile: So sind saubere Laufflächen grundsätzlich förderlich für die Tiergesundheit und tragen zur Verbesserung des Stallklimas wesentlich bei.

Futuro Farming GmbH, Calf Monitoring System – Sensorsystem zur Früherkennung von Krankheiten bei Kälbern
Insbesondere bei großen Tierbeständen und der damit einhergehenden zunehmenden Kälberzahl steigt zwangsläufig auch der Infektionsdruck. Hinzu kommt, dass eine größere Anzahl an Tieren schwerer zu kontrolieren ist. Eine Früherkennung von Krankheiten wird gegebenfalls auch dadurch erschwert, dass die notwendigen Kontrollen durch mehrere, wechselnde Personen erfolgen. Mit dem Calf Monitoring System hat Futuro Farming ein präzises und energiesparendes, non-invasives Sensorsystem zur Früherkennung von Krankheiten bei Kälbern entwickelt. Das System arbeitet mit einem passiven Infrarotsensor im Zusammenspiel mit KI (Künstlicher Intelligenz). Das Calf Monitoring System erkennt so das Verhaltensmuster des Kalbes und wertet es zeitnah aus. Über eine App sowie eine Online-Plattform werden die so gewonnenen Informationen bereitgestellt. Das System soll die tägliche Kontrolle der Tiere durch Personal nicht ersetzen, sondern vielmehr durch die kontinuierliche Überwachung und kurzfristige Rückmeldung unterstützen. Insgesamt kann die Verbesserung in der Bestandsüberwachung durch das Calf Monitoring System dazu beitragen, dass aufkommende Erkrankungen früher erkannt und behandelt werden können. Das wiederum kann dazu führen, dass Krankheiten milder verlaufen und Kälbersterblichkeit sinkt, Tierwohl und Tiergesundheit also insgesamt gesteigert werden.

Möscha GbR, Gülle-Verteilgestänge mit Kunststoffrohr als tragendes Element
Möscha, bislang bekannt für den Gülle-Schwenkverteiler, hat ein neues Verteilgestänge für die bodennahe Ausbringung von Gülle und Gärresten entwickelt. Das Besondere am neuen Möscha Verteilgestänge ist die Verwendung von beplankten Kunststoffrohren an Stelle einer Vollmetallkonstruktion. Das Gestänge zeichnet sich dadurch insbesondere durch ein geringes Eigengewicht aus. Das geringere Gewicht ermöglicht es, Gülle mit am Verteilgestänge angebrachten Schleppschläuchen oder Schleppschuhen auch in stark kuppiertem Gelände oder in ausgewiesenen Hanglagen bodennah auszubringen. Herkömmliche Gestänge stoßen hier auf Grund ihres Eigengewichtes oft an Grenzen. Auch an leichteren Güllefässern mit entsprechend gerigerem Zugkraftbedarf kann das Möscha Verteilgestänge verwendet werden. Zu dem bereits genannten Vorteil dieser Neuheit, kommen also noch die Kraftstoffersparnis durch das geringere Gewicht und/oder die Kombination mit leichten Gülletankwagen sowie nicht zuletzt auch die Einsparung von Material hinzu.

Nectra SAS, On Tray Orderly Egg Refilling System – automatisches System zum Sortieren von Bruteiern in Brütereien mit Einzel-Eihaltern
Ehe die von Masthuhn-Elterntierfarmen angelieferten Eier in der Brüterei in den Brutapparat eingelegt werden, müssen sie nach Qualität und Gewicht sortiert sowie gegebenfalls – sofern sie nicht mit dem stumpfen Pol nach oben in den Horden sitzen – gedreht werden. Insbesondere durch das Sortieren können unvollständig gefüllte Horden auftreten, die manuell wieder aufgefüllt werden müssen. Ein weiteres Problem besteht beim Transport der Eier auf Bändern, da sie hierbei aneinanderstoßen, wodurch die Schalen beschädigt werden können. Das neue On Tray Orderly Egg Refilling System von Nectra SAS arbeitet mit Einzel-Eihaltern (egg moving cups), auf die die Eier von den Anlieferungshorden zunächst umgesetzt werden. Die Eierhalter bewegen sich frei auf einem Transportband und können dabei automatisch und individuell nach Qualität und Gewicht sortiert werden. Ebenso werden falsch positionierte Eier umgedreht. Zur Übergabe in die Bruthorden werden die Einzel-Eihalter angestaut, wobei nicht besetzte Eierhalter automatisch entfernt werden, so dass lediglich gefüllte Eierhalter automatisch auf die Bruthorden umgesetzt werden. Leerstellen werden so verhindert. Insgesamt führt das On Tray Orderly Egg Refilling System zu einer deutlichen Arbeitsentlastung, da es den Befüllungsprozess der Bruthorden automatisiert und kann zu einer Verbesserung der Schlupfraten in den Mastküken-Brütereien beitragen, indem es die Wahrscheinlichkeit einer Beschädigung der Eischalen reduziert.

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