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ZLF 2008: John Deere präsentiert Konzeptstudie eines Pflanzenölschleppers mit Ein-Tank-System

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Artikel eingestellt am:
02.9.2008, 21:46

Quelle:
ltm-KE, Deere & Company European Office
www.johndeere.com

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Im Erlebnispark Erneuerbare Energien auf dem ZLF 2008 in München soll er einem breiten Publikum vorgestellt werden, auf dem Keferloher Montag, dem traditionsreichen Bauernmarkt wenige Kilometer südöstlich von München, wurde er gestern erstmals gezeigt: Der John Deere 6930 Pflanzenölschlepper mit Ein-Tank-System und Flex-Fuel-Motor.

Eines gleich vorweg: Kaufen kann man den John Deere 6930 für Pflanzenölbetrieb noch nicht. Vielmehr ist der gezeigte Traktor als Konzeptstudie Teil des Projektes „2nd VegOil“, an dem neben den John Deere Werken Mannheim als Partner noch acht weitere namhafte Firmen und Institutionen aus Deutschland und dem europäischen Ausland beteiligt sind, unter anderem die Vereinigten Werkstätten für Pflanzenöltechnologie sowie der Lehrstuhl für Verbrennungskraftmaschinen der TU München. Im Rahmen des über mehrere Jahre angesetzten Projektes „2nd VegOil“ sollen nachhaltige Lösungen für den Einsatz von Pflanzenölkraftstoffen gefunden werden, so dass hier auch Grund legende Themen wie die Verbesserung der Qualität von Pflanzenölkraftstoffen und die Einhaltung zukünftiger Abgasnomen beim Pflanzenölbetrieb betrachtet werden. Es geht hier also um weit mehr als die Entwicklung eines pflanzenöltauglichen Schleppers und auch bei diesem sind laut John Deere noch weitergehende Feinarbeiten notwendig, so dass über eine mögliche Markteinführung noch keine konkreten Angaben gemacht werden können. Hierzu Dr. Oliver Neumann, Leiter der John Deere Presseabteilung: „Wir möchten nicht den Eindruck erwecken, als würden wir eine solche Lösung in Kürze serienmäßig anbieten. Dies ist noch ein weiter Weg.“

Doch nun zum Schlepper selbst: Wie bereits erwähnt, arbeitet der Pflanzenöl John Deere 6930 mit einem Ein-Tank-System, kommt also ohne zusätzlichen Dieseltank aus und wird demnach auch mit Pflanzenöl gestartet. Mit einer verstärkten Kraftstoffpumpe, einer geänderten Position der (serienmäßigen) Einspritzdüsen und einer angepassten Software der Motorelektronik fallen die Veränderungen am Motor für den Betrieb mit Pflanzenöl der zweiten Generation eher geringfügig aus. Hinzu kommt eine interne Kaltstart-Vorheizung – über die John Deere auf Grund des frühen Entwicklungsstandes derzeit keine genauen Details bekannt geben möchte – die den Kaltstart des Motors mit Pflanzenöl bis hinunter zu einer Temperatur von 0° C ermöglichen soll; je nach Temperatur ist beim Kaltstart eine gewisse Wartezeit (laut John Deere maximal etwa 30 Sekunden) zum Vorheizen notwendig. Die Vorwärmung des Pflanzenöls erfolgt über Zirkulation ohne zusätzlichen Wärmetauscher. Die Motorelektronik des Flex-Fuel-Motors ist derzeit auf den Betrieb mit Rapsöl sowie auf Diesel- oder Biodieselbetrieb angepasst. Bei einer möglichen Serienproduktion soll die Umstellung auf die verschiedenen Kraftstoffe dann automatisch erfolgen und auch ein Betrieb mit anderen Pflanzenölen, wie etwa Sonnenblumenöl, möglich sein. Zudem kann der Schlepper laut John Deere dann auch mit einem beliebigen Mischungsverhältnis von Pflanzenöl und Diesel betrieben werden, so dass sich für den Praxiseinsatz natürlich auch der Vorteil ergibt, dass vor einem Wechsel der Kraftstoffart der Tank nicht restlos leer gefahren werden muss.

Um mit den geringfügigen Modifikationen am Motor einen sicheren Betrieb in allen Lastbereichen zu ermöglichen und die bekannten Probleme der Bildung von Ablagerungen an den Einspritzdüsen und im Brennraum bei geringfügiger Motorauslastung zu umgehen, benötigt der Motor der Konzeptstudie für den Pflanzenölbetrieb so genannten Pflanzen- respektive Rapsölkraftstoff der zweiten Generation, bei dem gegenüber Rapsöl gemäß der Vornorm DIN V 51605 bestimmte Inhaltsstoffe wie Phosphor, Magnesium und Calcium in wesentlich geringeren Mengen enthalten sind. Erreicht wird dies durch Zugabe eines Additivs, das über eine chemische Reaktion ein Ausfällen der problematischen Bestandteile bewirkt. Die so entstandenen Feststoffe werden dann im abschließenden, ohnehin notwendigen Filtervorgang aus dem Rapsöl entfernt. Der Arbeitsaufwand für diese zusätzliche Reinigung des Rapsöls beschränkt sich also im Prinzip auf die Zugabe des Additivs, die sich auch in dezentralen Anlagen zur Gewinnung von Pflanzenölkraftstoffen durch eine entsprechende Dosiereinrichtung realisieren ließe; großtechnische Anlagen sind hierfür nicht erforderlich.
Die höhere Ölqualität wird auch in Hinblick auf zukünftige Abgasnormen von großer Bedeutung sein. Deren Einhaltung wird nur mit einer Abgasnachbehandlung möglich sein und hier besteht die Schwierigkeit, dass die oben genannten Stoffe zu Problemen bei den derzeit bekannten Systemen zur Abgasnachbehandlung führen. Aktuell erfüllt der Motor der Konzeptstudie die Off-Road-Abgasnorm der Stufe 3A, bis 2011 sollen die Grenzwerte der Stufen 3B und 4 eingehalten werden. Das Projekt „2nd VegOil“ beschäftigt sich demzufolge auch intensiv mit der Frage nach geeigneten Abgasnachbehandlungssystemen für den Betrieb mit Pflanzenölkraftstoffen, der Erzielung der hierfür erforderlichen Qualität dieser Kraftstoffe sowie mit der Entwicklung und Optimierung eines dezentralen Produktionsprozesses für Pflanzenölkraftstoffe der zweiten Generation.

Fazit: Mit der Konzeptstudie des 6930 Pflanzenölschleppers verfolgt John Deere einen interessanten Ansatz. Durch das Ein-Tank-System entfällt der Aufwand beim Betrieb eines Traktors mit Zwei-Tank-System, wie etwa die zusätzliche Bevorratung von Diesel. Hinzu kommt, dass man durch den Flex-Fuel-Motor nicht schon beim Kauf des Schleppers auf eine Kraftstoffart festgelegt wird. Ob und wann ein John Deere Traktor für Pflanzenölbetrieb in Serie geht, hängt neben der Marktresonanz in erster Linie vom weiteren Verlauf der Entwicklungsarbeit ab, wobei hier die Einhaltung zukünftiger Abgasnormen eine entscheidende Rolle spielen dürfte. Mit diesem Thema beschäftigt sich das Projekt „2nd VegOil“ ebenso, wie mit der Entwicklung von Pflanzenölkraftstoffen der zweiten Generation sowie der hierfür geeigneten dezentralen Produktionsprozesse.

Live erleben kann man den Pflanzenöl betriebenen John Deere Schlepper vom 20. bis 28. September auf dem ZLF 2008 in München. Dort hat die Vorstellung von Traktoren für den Betrieb mit alternativen Kraftstoffen im Übrigen eine lange Tradition, denn bereits seit den frühen 1980er Jahren werden auf dem ZLF regelmäßig Prototypen zu diesem Thema vorgestellt.

Autor: Klaus Esterer

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