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Melkroboter-Erfinder Alexander van der Lely und Karel van den Berg für Europäischen Erfinderpreis 2019 nominiert

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Artikel eingestellt am:
29.5.2019, 18:32

Quelle:
Europäisches Patentamt
www.epa.org

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Das Europäische Patentamt (EPA) gibt die Nominierung der niederländischen Ingenieure Alexander van der Lely und Karel van den Berg für den Europäischen Erfinderpreis 2019 bekannt. Sie sind nominiert in der Kategorie „Industrie”. Damit wird ihre Erfindung eines vollautomatisierten Melksystems gewürdigt, das gleichermaßen Vorteile für Tiere wie Landwirt*Innen biete. Die Gewinner*Innen des jährlichen Innovationspreises des EPA werden 2019 im Rahmen einer Galaveranstaltung am 20. Juni in Wien bekannt gegeben.

„Das von den beiden niederländischen Erfindern entwickelte Melksystem zeigt, wie sehr der Agrarsektor von High-Tech-Technologie in Sachen Nachhaltigkeit profitieren kann“, sagte EPA-Präsident António Campinos anlässlich der Bekanntgabe der Finalist*Innen für den Europäischen Erfinderpreis 2019. „Durch die Patentierung der Technologie wurde der Marktrollout des Systems klar verbessert und damit der Aufbau eines global wettbewerbsfähigen Unternehmens ermöglicht.“

Das EPA nominiert die niederländischen Erfinder Alexander van der Lely und Karel van den Berg, da das vollautomatisierte Melksystem einen neuen Ansatz verfolge, der auf eine „tierfreundliche“ Automatisierung setze und die Landwirtschaft gleichzeitig effizienter macht.

Van den Berg, der Elektrotechnik in Rotterdam studiert hat, wuchs auf einem Bauernhof auf. Ihm war deshalb bewusst, dass Kühe erst das Melken durch den Roboter akzeptieren müssen, damit das neue Melksystem überhaupt funktionieren konnte. „Ich ging von dem Grundsatz aus, dass die Kuh im Melkstift Freiheit braucht. Sie soll nicht fixiert oder festgehalten werden“, sagt er und fügt hinzu: „Wenn es der Kuh gut geht, sie keinen Stress empfindet und ihr alles, was sie braucht, angeboten wird – dann produziert sie die meiste Milch.“

Das Hauptmerkmal der Erfindung von van der Lely und van den Berg ist laut EPA, dass die Kühe in die Melkbox gehen können, wann immer sie sich danach fühlen. Die Melkbox ähnelt einem großen Kasten mit Metallstäben auf einer Seite. Ein Roboterarm, der sich unter der im Melkstand stehenden Kuh befindet, steuert den gesamten Melkvorgang. Sein Arm enthält Sensoren, die dafür sorgen, dass sich die Melkmaschine von selbst an den Euter legt, damit die Kuh gemolken werden kann. Durch das vorherige Scannen des Tiers werden unnötige spätere Armbewegungen zur Justierung vermieden. Dieses System wird Astronaut genannt: Die Kühe sind an die High-Tech-Maschine angeschlossen und können sich dennoch frei bewegen – wie ein Astronaut auf Weltraumspaziergang. Das EPA rechnet vor, dass ein Betrieb mit 120 Kühen eine zusätzliche Produktionskapazität von mehr als 1 Liter pro Kuh pro Tag erreichen kann, wenn zweimal täglich mit dem Lely-Astronauten gemolken wird. Das Unternehmen schätzt, dass sich die Anschaffungskosten für das Melksystem durch die bessere Milchproduktion in zwei bis drei Jahren amortisiert haben.

Das EPA erläutert weiter, dass der Nutzen des Astronauten über das reine Melken hinausgehe, da er Landwirt*Innen auch ein wertvolles Instrument zur Datenerfassung und -analyse gäbe. Das System scannt die Kuh am Halsband und speichert relevante Daten wie Milchproduktion und Futtergewohnheiten. Diese werden in ein Programm eingespeist und dort analysiert und ausgewertet. Das hilft Landwirt*Innen, ihre Herden effizienter zu überwachen und zu verwalten – beispielsweise um festzustellen, wenn eine Kuh erkrankt ist.

Karel van den Berg und sein Ingenieursteam begannen 1985 mit der Entwicklung eines Robotermelksystems. Ein Jahr später reichte der Vater von Alexander van der Lely Patentanmeldungen für die ersten Erfindungen des automatisierten Melkens ein, von denen eine im gegenwärtigen System noch verwendet wird. Alexander van der Lely studierte Produktions- und Management-Engineering in Zürich, bevor er 1995 in das Familienunternehmen wechselte mit dem Ziel, die technischen Leistungen des Robotermelksystems zu verbessern. Obwohl die ersten Astronautensysteme Mitte der 90er Jahre kommerziell vertrieben wurden, erinnert sich van der Lely daran, dass die Agrarbranche anfänglich Roboter nur zögerlich einsetze: „Ein Grund, warum diese Entwicklung so lange brauchte, bis sie am Markt angenommen wurde, war, dass wir die Maschine so entwickelt hatten, dass sie 24 Stunden am Tag einsatzbereit war. Dies ist ein großer Sprung für die Verwaltung einer Milchbetriebes. Außerdem brauchten wir die Zeit, um die Landwirte von der Automatisierung zu überzeugen und das notwendige Servicenetzwerk aufzubauen.“

Heute gilt das Unternehmen laut EPA als Pionier beim Melken durch Roboter. Van der Lely ist in 47 europäischen Patenten im Bereich Melk- und Landwirtschaftsautomation als Erfinder genannt. Van den Berg wirkte im Verlauf seiner 35-jährigen Karriere an 267 europäischen Patenten als Erfinder mit, von denen viele auch in Nicht-EPO-Staaten Gültigkeit erlangten. Bei 25 dieser Patente teilt er sich die Erfindernennung mit Alexander van der Lely.

Um die Markteinführung der automatisierten Melksysteme zu beschleunigen, lizensierte das Unternehmen seine Technologie auch an Mitbewerber, wie Lely erklärt: „Patente sind für uns aus zwei Gründen sehr wichtig: Zum einen für den Schutz unserer Ideen, zum anderen aber auch, um den Markt für neue Erfindungen zu öffnen. Wir vergeben gerne eine Lizenz, damit wir gemeinsam Märkte erschließen können“, sagt van der Lely.
Diese Strategie hat dem Unternehmen dabei geholfen, sein Geschäft im Sektor für automatisierte Melksysteme auszubauen. Dieser soll von 1,06 Milliarden Euro im Jahr 2016 auf 2,2 Milliarden Euro 2023 wachsen. Etwa 30.000 Lely-Astronauten sind laut EPA derzeit weltweit im Einsatz, was das Unternehmen zu einem Marktführer macht.

Der Europäische Erfinderpreis ist laut EPA übrigens einer der prestigeträchtigsten Innovationspreise Europas. Er wurde 2006 vom EPA ins Leben gerufen und ehrt einzelne Erfinder*Innen und Erfinderteams, deren Erfindungen Lösungen für einige der drängendsten Probleme unserer Zeit darstellen. Die Finalist*Innen und Gewinner*Innen werden von einer unabhängigen Jury bestehend aus internationalen Größen aus Wirtschaft, Politik, Wissenschaft, Akademie und Forschung ausgewählt, welche die Vorschläge auf deren Beitrag zum technischen Fortschritt, zur gesellschaftlichen Entwicklung, zum wirtschaftlichen Wohlstand und zur Schaffung von Arbeitsplätzen in Europa hin überprüft. Der Preis wird in fünf Kategorien bei einer Gala-Veranstaltung verliehen. Der Gewinner*In des Publikumspreises wird von der Öffentlichkeit aus den 15 Finalisten im Vorfeld der Verleihung über ein Online-Voting auf der EPA-Website gewählt. Abgestimmt werden kann bis zum 16. Juni 2019.



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