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Deutsches Landwirtschaftsmuseum Schloss Blankenhain (Sachsen) erhält AgrarKulturerbe-Preis 2012

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Die Gesellschaft für Agrargeschichte (GfA) wird das Deutsche Landwirtschaftsmuseum Schloss Blankenhain (Landkreis Zwickau) und seinen Leiter Dipl.-Geogr. Jürgen Knauss mit dem AgrarKulturerbe-Preis 2012 auszeichnen. Damit sollen die eindrucksvolle Bewältigung des historischen Umbruchs im Museumsbereich und die historisch überzeugende Darstellung der agrarhistorischen Entwicklung in Mitteldeutschland gewürdigt werden. Mit dem zweiten Preis werden zu gleichen Teilen der Architekt und Denkmalpfleger Benno Kolbe aus Gürth (Bad Brambach/Vogtland) für sein Lebenswerk sowie gemeinschaftlich die Witzenhausener Studenten Hannah Fritsch, Jette Haak und Frank Kessel sowie der Historiker Dr. Jochen Ebert von der Universität Kassel für ihren vorbildlichen historischen Rundgang zur Geschichte der Zwangsarbeit während des Nationalsozialismus auf der Domäne Frankenhausen (Kreis Hofgeismar) ausgezeichnet. Die AgrarKulturerbe-Preise 2012 werden im Rahmen einer Festveranstaltung am 19. Oktober 2012 um 13:00 Uhr im Schloss Blankenhain verliehen. Staatssekretär Dr. Fritz Jaeckel vom Sächsischen Ministerium für Umwelt und Landwirtschaft wird gemeinsam mit der Vorsitzenden des Wissenschaftlichen Rates der Gesellschaft für Agrargeschichte, Prof. Dr. Christel Köhle-Hezinger (Universität Jena), die Preise überreichen.

Seit 2008 verleiht die Gesellschaft für Agrargeschichte alle zwei Jahre den „AgrarKulturerbe-Preis“ für besondere Verdienste um die Pflege und Erhaltung unseres agrarkulturellen Erbes und für hervorragende Forschungsarbeiten auf diesem Gebiet. Gefördert wird der Agrarkulturerbe-Preis in diesem Jahr durch die Dr. Bernard Krone-Stiftung in Spelle. Die Krone-Gruppe gehört zu den führenden Herstellern im Bereich Landtechnik und Nutzfahrzeuge.

Mit dem Ersten Preis werden in diesem Jahr das Deutsche Landwirtschaftsmuseum Schloss Blankenhain im Zwickauer Land und sein Leiter Dipl.-Geogr. Jürgen Knauss gewürdigt. Das 1981 auf einem ehemaligen Rittergut gegründete „Agrarhistorische Freilichtmuseum“ wurde nach der Wiedervereinigung der zweite Standort des Deutschen Landwirtschaftsmuseums für Mittel- und Ostdeutschland neben dem in Stuttgart-Hohenheim. In einer beispielhaften Aufbauarbeit wurde seitdem – trotz des einschneidenden historischen Umbruchs – ein beeindruckendes Museum geschaffen, das einen vorbildlichen Überblick über die Geschichte der Dörfer und der Landwirtschaft wie auch der Landtechnik in Mitteldeutschland bietet. Historisch Wertvolles aus der Region wird mit einem innovativen Konzept modern, anschaulich und überzeugend dargestellt. Das Museum mit seinen zahlreichen agrarkulturellen Arbeiten ist nicht nur für die Region von überragender Bedeutung, sondern auch überregional beispielgebend. An diesem herausragenden Beitrag zur Pflege des Agrarkulturerbes hat der Leiter Jürgen Knauss mit seinem Museumsteam einen entscheidenden Anteil.

Der zweite Preis geht in diesem Jahr zu gleichen Teilen an zwei Preisträger. Zum einen wird damit Benno Kolbe aus Gürth (Bad Brambach/Vogtland) für seine Lebensleistung im Bereich des Agrarkulturerbes geehrt. Der Architekt hat in den vergangenen 40 Jahren die ländliche Denkmalpflege und Dorferneuerung im Vogtland und in den Nachbarregionen entscheidend mit geprägt. Hierfür hat er sich bereits während des Studiums durch eine Zusatzausbildung in Dorfplanung und ländlichm Bauwesen wertvolle Grundlagen erworben. Vor allem seit 1975 hat er als Aufbauleiter und ab 1983 bis 1990 als Leiter des Vogtländischen Bauernmuseums in Landwüst Beispielhaftes geschaffen. Nicht nur als Museumsleiter, sondern mit seinen heute 78 Jahren ist er nach wie vor ein unermüdlicher Förderer ländlicher Baukultur. Bleibende Verdienste hat er sich auch dadurch erworben, dass er in Sachen ländlicher Kulturpflege Brücken über die Region hinaus ins nahe Tschechien (Nordböhmen) mit aufgebaut hat.

Ebenfalls mit einem zweiten Preis werden gemeinschaftlich die drei Witzenhausener Studenten Hannah Fritsch, Jette Haak und Frank Kessel sowie ihr betreuender Historiker Dr. Jochen Ebert von der Universität Kassel für ein außergewöhnliches Projekt gegen das Vergessen ausgezeichnet. In diesem studentischen Projekt ist in vorbildlicher Weise das wenig beachtete Kapitel der Zwangsarbeit in der Landwirtschaft während des Nationalsozialismus untersucht und in beeindruckender Weise für die Öffentlichkeit vermittelt worden. Mehr als drei Jahre haben die Studenten zusätzlich zum Studium der ökologischen Landwirtschaft akribisch und mit großer Beharrlichkeit am konkreten Ort der hessischen Staatsdomäne Frankenhausen (Kreis Hofgeismar) Umfang und Organisation der Zwangsarbeit während der Zeit des Nationalsozialismus erschlossen. Die vielfältigen zusammengetragenen Informationen werden zudem in einem historischen Rundgang über die Zwangsarbeit auf der Domäne vorbildlich für die Öffentlichkeit in sechs Stationen sowie mit Gedenktafeln und Publikationen dargestellt, und wollen zum Erinnern sowie zu einer kritischen Auseinandersetzung anregen. Das Vorhaben ist von Anbeginn wissenschaftlich von dem Historiker Dr. Ebert begleitet worden.

Die Gesellschaft für Agrargeschichte wurde 1947 in Stuttgart-Hohenheim gegründet und hat mit ihrer Geschäftsstelle in Frankfurt am Main ihren Sitz. Die Pflege des Agrarkulturerbes, die Erforschung der Agrargeschichte und die Information der interessierten Öffentlichkeit gehören zu ihren Aufgaben. Dem dienen unter anderem wissenschaftliche Fachtagungen, die Herausgabe der „Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie“ sowie der Ausbau und die Pflege einer großen Internet-Datenbank über das Agrarkulturerbe. Ihre Mitglieder sind überwiegend Wissenschaftler aus den Bereichen Agrargeschichte, aber auch Historiker anderer Fachrichtungen, die sich mit der Geschichte der ländlichen Räume befassen, und historisch Interessierte aus der Agrarwirtschaft.

Quelle: Gesellschaft für Agrargeschichte (GfA)/DLG e.V. (www.dlg.org)

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