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10 Millionen-Euro-Geschenk der Belegschaft ist der Geschäftsführung von AGCO Fendt zu wenig

von und

Nach einer kontrovers geführten Verhandlung zwischen der Geschäftsführung von AGCO Fendt und der IG Metall am heutigen Donnerstag auf dem Betriebsgelände in Marktoberdorf war klar: Der Geschäftsführung von AGCO Fendt geht es nicht um die Abfederung wirtschaftlicher Risiken, sondern offenbar nur ums Prinzip.

Die Auseinandersetzung hat bereits Wellen in der lokalen und regionalen Presse geschlagen und zu hitzigen Diskussionen geführt. Deshalb ist es an der Zeit, einige Fakten richtig zu stellen. Seit Monaten fordert die Geschäftsführung - vornehmlich über die Presse - einen Beitrag der Belegschaft, um die geplanten Investitionen von circa 25 Millionen Euro zu finanzieren, die der Konzern in den Ausbau der Traktorenfertigung in Marktoberdorf und insbesondere der Kabinenfertigung am Standort Bäumenheim investieren will. Dabei geht es auch um die Vergabe der neuen 200er-Baureihe von Traktoren.

Gegenüber der amerikanischen Konzernführung hat die Geschäftsführung aus Marktoberdorf bereits im Juni vergangenen Jahres ein Angebot gemacht, dass sie die Kosten an den deutschen Standorten durch unbezahlte Verlängerung der Arbeitszeit auf 40 Stunden reduzieren und somit die Kabinen in Bäumenheim ab 2009 im Vergleich am billigsten fertigen könnten. Bis dahin hatte die Geschäftsführung die Rechnung jedoch ohne den Wirt, das heißt ohne die Beschäftigten und ohne die IG Metall gemacht. Erst nach einer öffentlichen Aufforderung durch die IG Metall Kempten bequemte man sich auf Arbeitgeberseite dazu, einen offiziellen Antrag auf tarifliche Abweichungen entsprechend einer in der bayerischen Metall- und Elektroindustrie geltenden Tarifvereinbarung zur nachhaltigen Standort- und Beschäftigungssicherung zu stellen.

Aus den der IG Metall erst im November 2005 vorgelegten Zahlen ergab sich eindeutig, dass AGCO Fendt seit drei Jahren steigende Gewinne in einem Ausmaß schreibt, dass die Investitionen in den Ausbau der Kabinenfertigung „aus der Portokasse“ bezahlt werden könnten, so die Einschätzung von Sibylle Wankel, Verhandlungsführerin der IG Metall. Wankel weiter: „Die präzise Arbeit der Beschäftigten in Bäumenheim und Marktoberdorf bescheren dem Unternehmen seit Jahren eine maximale Umsatzrendite. Diese liegt weit über dem Durchschnitt in der Metall- und Elektroindustrie und damit auf einem Niveau, das die meisten Konkurrenzfirmen im Landmaschinensektor nie erreichen werden.“

Die Arbeitnehmervertreter begrüßen die Absicht des Konzerns, an den beiden deutschen Standorten zu investieren. Es ist jedoch weder den Betriebsräten noch den IGM-Vertretern noch den Beschäftigten selbst klar, warum angesichts der ausgezeichneten Finanz- und Ergebnissituation des Unternehmens diese Investition von den Beschäftigten bezahlt werden soll.

Arbeitsplatzaufbau ist vor allem in Zeiten von Hartz IV eine feine Sache - doch wenn auf der anderen Seite eine entsprechende Arbeitsplatzvernichtung bei den ebenfalls in Deutschland fertigenden, tarifgebundenen Konkurrenzfirmen steht, ist die Bilanz am Ende negativ.

Wenn die Geschäftsleitung von AGCO Fendt von bis zu 500 neuen Arbeitsplätzen spricht, dann muss man sich diese Rechnung genau anschauen:

1. Auf die Zahl 500 kommt man nur bei einem „best case“-Szenario hinsichtlich des Marktwachstums, bei stagnierenden Absatzzahlen wären es gerade einmal 300 Arbeitsplätze.

2. Ein erheblicher Anteil dieser Arbeitnehmer ist bereits heute bei AGCO Fendt beschäftigt und zwar als Leihkräfte. Insgesamt sind dies mehr als 150, so dass sich die tatsächlich neu zu schaffenden Arbeitsplätze auf maximal 150 reduzieren. 3. Auf diese Zahl will die Geschäftsleitung die auf 12 Monate befristete Übernahme der Auszubildenden anrechnen, so dass am Ende nicht mehr als 70 Dauerarbeitsplätze übrig blieben.

4. Von der Geschäftsleitung wurde auch im heutigen Verhandlungstermin keine langfristige Personalplanung vorgelegt, obwohl die Arbeitnehmervertreter dies bereits vor Weihnachten angemahnt hatten.

Trotz der hervorragenden Wirtschaftslage des Unternehmens und der aggressiven Herangehensweise der Geschäftsführung, die weiter auf einer Arbeitszeitverlängerung besteht, sind sich die Mitglieder der betrieblichen Tarifkommission der IG Metall ihrer Verantwortung für die Entwicklung des regionalen Arbeitsmarktes bewusst. Sie haben deshalb in der heutigen Verhandlung ein Angebot vorgelegt, das Beiträge der Belegschaft in einem Volumen von mehr als 10 Millionen Euro vorsah. Die Geschäftsführung antwortete darauf, dass es nicht nur um die Finanzierung der Investitionen, sondern zusätzlich um eine dauerhafte Kosteneinsparung ginge. Dietmar Jansen, 1. Bevollmächtigter der IG Metall Kempten: „Klare Aussage der Geschäftsführung war: Ohne Arbeitszeitverlängerung gibt es keine Vereinbarung. Das bedeutet: Die Geschäftsführung will den Tarifvertrag verschlechtern, um durch kostenlose Mehrarbeit noch mehr Gewinne zu machen. Das wird die IG Metall nicht mitmachen!“

Quelle: IG Metall Bezirksleitung Bayern (www.igmetall.de/homepages/bezirk-bayern/)

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