Die jährlich durchgeführte Waldzustandserhebung liefert belastbare Daten zur Vitalität der Bestände. Die Ergebnisse 2024 unterstreichen die Dramatik der Entwicklung: Rund vier von fünf Bäumen in Deutschland sind geschädigt, insbesondere Fichte, Kiefer, Buche und Eiche. Kronenverlichtung und Blatt- respektive Nadelverluste gelten dabei als zentrale Indikatoren eines kritischen Waldzustands.
Für einen stabilen Wald, der seine Nutz-, Schutz- und Erholungsfunktionen langfristig erfüllt sind standortgerechte Baumarten, genetische Vielfalt sowie differenzierte Altersstrukturen entscheidend. Welche Arten künftig bestehen, lässt sich jedoch nur standortspezifisch bestimmen: Im Projekt „Zukunftswald Brandenburg“ initiiert von der Forstbetriebsgemeinschaft „Die Märkischen“ in Kooperation mit dem Landesbetrieb Forst Brandenburg werden auf 13 ha rund 50.000 Bäume (Korsische Schwarzkiefer, Türkische Tanne, Atlaszeder, Esskastanie und Baumhasel) gepflanzt und wissenschaftlich begleitet, um belastbare Erkenntnisse zu gewinnen.
Die Stabilität der Wälder beruht auf aktiver Pflege, Wiederaufforstung und Biodiversität. Moderne Forsttechnik ermöglicht dabei eine effiziente, bodenschonende und sichere Bewirtschaftung. So entstehen Waldökosysteme, die ökologisch belastbar, wirtschaftlich tragfähig und gesellschaftlich relevant bleiben.
„Die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder zur Produktion des nachwachsenden Rohstoffs Holz und zur Bereitstellung weiterer Ökosystemleistungen ist für alle Waldbesitzenden unter den Bedingungen des Klimawandels eine große Herausforderung“, erklärt Prof. Dr. Andreas Bitter, Präsident der AGDW-Die Waldeigentümer. Umso wichtiger sei der intensive fachliche Austausch über innovative Konzepte und praxisnahe Verfahren. Ergänzend fügt Andreas Bitter hinzu: „Dafür bietet die INTERFORST als Forum für Innovationen eine hervorragende Plattform. Besonders laden wir die Mitglieder unserer Landeswaldbesitzerverbände ein, diese Gelegenheit für Vernetzung, Wissenstransfer und neue Impulse für die Waldbewirtschaftung zu nutzen.“
Die langen Umtriebszeiten in der Forstwirtschaft – also die Zeitspanne von der Pflanzung bis zur Ernte eines Baumes – machen eine vorausschauende und datenbasierte Planung unverzichtbar. Digitale Anwendungen und hochentwickelte Maschinen unterstützen Waldbesitzende, Försterinnen und Forstunternehmer dabei, komplexe Entscheidungsprozesse fundiert zu steuern. Datenerfassung, Flächenmanagement und operative Maßnahmen lassen sich so effizienter, transparenter und ressourcenschonender gestalten.
Vor dem Hintergrund dynamischer Umweltveränderungen fordert auch der Bericht „The State of the World’s Forests 2024“ der Vereinten Nationen verstärkte Innovationsanstrengungen im Forstsektor.
„Innovationen stärken nicht nur die Wettbewerbsfähigkeit unserer Forstbetriebe“, erläutert Christian Haase, Präsident Deutscher Forstwirtschaftsrat. „Sie sind zugleich Grundlage für eine nachhaltige Holzproduktion, sichern Arbeitsplätze im ländlichen Raum und leisten einen entscheidenden Beitrag zur Anpassung unserer Wälder an den Klimawandel. Als Dachverband vertreten wir die Interessen von rund zwei Millionen privaten und kommunalen Waldbesitzenden in Deutschland. Ich freue mich sehr darauf, im Eröffnungstalk der INTERFORST die aktuellen Entwicklungen und Zukunftsperspektiven unserer Branche zu diskutieren.“
Ein gesunder Wald sichert die nachhaltige Versorgung mit Holz, das als klimafreundlicher Rohstoff CO₂ langfristig bindet und gegenüber Materialien wie Beton, Stahl oder Kunststoff energetische Vorteile bietet. Seine Einsatzmöglichkeiten reichen von Bau- und Werkstoffen bis zur Energiegewinnung. Im Sinne der Kaskadennutzung wird Holz möglichst lange stofflich genutzt und mehrfach recycelt, bevor es energetisch verwertet wird. Damit etabliert die Forst- und Holzwirtschaft ein funktionierendes Kreislaufmodell.
„Die INTERFORST bietet als Leitmesse für den mitteleuropäischen Raum einen umfassenden Marktüberblick und präsentiert Neuheiten sowie Trends rund um den gesunden Zukunftswald – von der Waldbegründung und -bewirtschaftung bis hin zur Holzverarbeitung“, fasst Projektleiterin Petra Westphal zusammen. Im Fokus stehen technologische Innovationen wie digitale Anwendungen, Drohnensysteme, LiDAR-gestützte Datenerfassung, intelligente Sensorik, KI-basierte Analysen sowie robotische und autonome Lösungen. Hersteller wie Log Max, Haas Nutzfahrzeuge oder Waldburg Forstmaschinen sowie Anbieter im Segment der Kleinmaschinen präsentieren ihre Entwicklungen für eine zunehmend automatisierte und präzise Forstwirtschaft.
Mit „SYSTEMS & COMPONENTS Forestry by DLG“ in Halle B6 erweitert die INTERFORST ihr Portfolio um spezialisierte Systeme und Komponenten, die Effizienz, Nachhaltigkeit und Leistungsfähigkeit forsttechnischer Anwendungen steigern. Insbesondere für B2B-Besuchende sowie OEM-Konstrukteure und Entwickler eröffnet sich damit ein konzentrierter Zugang zu technologischen Innovationen, verbunden mit verbesserten Möglichkeiten zur Vernetzung und beschleunigten Innovationsprozessen.
Auch das begleitende Fachprogramm rückt den gesunden Zukunftswald in den Mittelpunkt. Im Forum der INTERFORST wird unter anderem der Arbeitskreis „Klimapositive Waldwirtschaft“ einen Vortrag zum Thema „Waldbotschafter – Zukunftswald“ halten. Darüber hinaus präsentiert die Bayerische Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft den zweiten Band der Praxishilfe „Klima-Boden-Baumartenwahl“. Im Kongressprogramm sprechen Dr. Joachim Hamberger über „Lösungen für klimastabile Zukunftswälder“ sowie Dr. Ferdinand von Plettenberg über „Neue Einnahmequellen für den Forstbetrieb (Windenergie im Wald)“ und beleuchten damit zentrale Zukunftsfragen der Branche aus wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Perspektive.